Neue Seite für WILHELMSBOOK


Koch-Projekt vor dem Aus?

Text und Bilder zur Verfügung gestellt von Über den Tellerrand Hamburg.

„Über den Tellerrand“ kocht seit Jahren in den Wilhelmsburger Zinnwerken gemeinsam mit Geflüchteten und leistet so einen wertvollen Beitrag zur Integration. Jetzt bangen die Aktiven um ihre Gemeinschaftsküche.

Teller klappern. Hanna und Ronaz zupfen Blätter der frisch eingekauften Kräuter. „Hat jemand die große Kelle gesehen?“, fragt einer der Gastköche. Der Duftvon exotischen Gewürzen und Gemüse erfüllt die gemütliche Gemeinschaftsküche mitten im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg. Einmal im Monat treffen sich in den Zinnwerken, seit 2013 Heimat zahlreicher Kreativer und Künstler*innen, bis zu 30 Personen, um gemeinsam zu kochen und zu essen. Vom Kleinkind bis zu Oma, vom Geflüchteten aus Syrien bis zur Studentin aus der direkten Nachbarschaft ist alles dabei. 

Das Projekt hat es sich zur Aufgabe gemacht, Integrationsarbeitmit Gemeinschaftserlebnis und Gaumenschmaus verbinden. Kein Wunder, dass die „Über den Tellerrand Community Hamburg“  weit über die Grenzen von Wilhelmsburg hinaus bekannt ist. Neben den Zinnwerken, veranstalten sie auch Kochevents in Altona und Wandsbek. „Wir nutzen das Kochen als Türöffner zwischen verschiedenen Kulturen und möchten dazu beitragen, dass die Integration und die soziale Teilhabe von Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung gelingt“, erklärt Lena Kern (26), die die Kochabende in Wilhelmsburg seit zweieinhalb  Jahren mitorganisiert. Erst schnibbeln, dann kochen und schlemmen, aber auch gemeinsam abspülen – all das verbindet. Neben kulinarischen Köstlichkeiten aus verschiedenen Ländern entdecken die Teilnehmer*innen noch so einiges mehr: Nachbar*innen lernen sich kennen, Kontakte wachsen, Vorurteile fallen. „Vom Sprachtandem bis hin zur engen Freundschaft haben wir alles dabei“, sagt eine weitere Ehrenamtliche des Orga-Teams, Hanna Schavoir (40).

Ein kleines Team überlegt sich ein leckeres Menü und kauft zusammen ein. Anschließend geht es ins Oberstübchen, wie die Gemeinschaftsküche der Zinnwerke genannt wird. „Ich habe mal mit ein paar Leuten aus Afghanistan in den Zinnwerken Spezialitäten aus meinem Heimatland gekocht. Es war ein Riesenspaß und schönes Erlebnis“, sagt Abdulkhaliq Mohammadi (26). Seit zwei Jahren ist er bei „Über den Tellerrand“ dabei und freut sich, viele Leute aus anderen Ländern dabei kennen zu lernen. „Mit einigen davon habe ich immer noch Kontakt und treffe mich ab und zu mit ihnen, auch außerhalb der Kochabende“, so Abdulkhaliq Mohammadi.

Nun sorgen sich der junge Afghane und die Organisator*innen um den Fortbestand ihrer gemeinsamen Kochabende. Die Bezirksversammlung Hamburg Mitte hat die Hamburg-Kreativ-Gesellschaft mit der Entwicklung eines Nutzungskonzeptes beauftragt. „Wir begrüßen, dass hier eine langfristige Perspektive geschaffen und öffentliche Gelder für den dauerhaften Erhalt des Ortes eingesetzt werden sollen“, sagt Lena Kern. Denn das Oberstübchen bietet mit seiner familiären Atmosphäre den idealen Begegnungsort für die Kochabende. Gleichzeitig äußert sie aber auch Bedenken: „Die jetzigen Nutzer*innen werden leider nicht aktiv in den Beteiligungsprozess einbezogen.“ Genau das hatte aber die Bezirksversammlung zur Bedingung gemacht. Über die Zukunft der Zinnwerke wird in den nächsten Wochen entschieden. Die Initiator*innen der Kochabende hoffen, diesen wunderbaren Raum in den Zinnwerken weiter regelmäßig nutzen zu können. „Wir wünschen uns, dass sich dieser Ort weiter von unten und mit uns gemeinsam entwickeln kann“, sagt Hanna Schavoir.

Über den Tellerrand Community Hamburg

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.